Kari Lessir

Quelle: © foto kathrein, Wiesbaden

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1. Ich würde mich freuen, wenn Du etwas über Dich und deine Werke erzählst. :)

Ich bin ein rundum kreativer Mensch. Von klein auf habe ich gezeichnet, musiziert und Geschichten erfunden. So lange ich zur Schule ging, konnte ich alle drei Talente gleichermaßen ausleben, doch nach dem Abitur wurde es schwierig. Plötzlich sollte ich mich für einen Berufsweg entscheiden, was mir nicht so recht gelingen wollte. Zuerst habe ich an der Musikhochschule Frankfurt Klarinette und Dirigieren studiert, dann an der Universität Musikwissenschaft, Geschichte und Filmwissenschaft, arbeitete nebenher für eine Tageszeitung und entdeckte meine Liebe für den Lokaljournalismus. Statt eines Volontariats entschied ich mich jedoch für die Sachbuchredaktion in einem internationalen Verlagshaus. Weitere Stationen waren dort die Zeitschriftenproduktion und das Fachbuchlektorat, bevor ich mich nach 20 Berufsjahren als Autorin selbständig gemacht habe. Parallel dazu habe ich lange Jahre einen Gospelchor geleitet, schließlich wollte ich auf die Musik in meinem Leben nicht ganz verzichten, und mit hochbegabten Kindern gearbeitet. Mit diesem Thema bin ich noch heute in einem Verein engagiert.
Veröffentlicht habe ich bislang drei Bücher. Einen Roman habe ich sterben lassen, ein Jugendbuch liegt in der Schublade zum Reifen und an einem weiteren Buch sitze ich gerade aktuell.
In meinem ersten Buch „Aus dem Blick“ geht es um einen jungen Mann, der durch einen Unfall erblindet ist und den Weg zurück ins Leben finden muss. Dazu gehört eine neue Liebe und Menschen, die den beiden ihr Glück nicht gönnen. Ich muss gestehen, dass ich meinem Protagonisten ziemlich zugesetzt habe, aber nur so konnte er über sich hinauswachsen. Vielleicht habe ich manchmal einen Hang zum Drangsalieren, den ich zwischen den Buchdeckeln auslebe … ^^ An diesem Buch habe ich fünf Jahre und sieben Fassungen lang gearbeitet, bis es 2008 erschienen ist. Heute gibt es eine dritte Auflage von 2012.
Das zweite Buch „Taxi zum Himmel“ (2013) ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, Märchen und Erzählungen, die ich über einen Zeitraum von zehn Jahren geschrieben habe. Darin kann man ganz gut meine Autorenentwicklung beobachten, weil ich die Geschichten mit Absicht relativ unverändert gelassen habe, auch wenn sie überarbeitet und lektoriert sind. Und, nein, das ist kein Widerspruch ^^
Als letztes Werk erschien dieses Jahr „Wunschträume“ um eine Frau, deren Wünsche sich normalerweise immer erfüllen. Nur mit dem Wunsch nach dem Traummann hat sie so ihre Schwierigkeiten, obwohl ihr persönlicher Engel ihr immer wieder Hinweise in Form von Träumen schickt. Vom Genre her ist dieses Buch ein moderner Frauenroman mit magischen und spirituellen Elementen. Auch an diesem Buch habe ich fünf Jahre gearbeitet, bis ich es für ausreichend gereift erachtet habe, um es zu publizieren.
Meine Bücher tragen übrigens alle das große Q der Autorenvereinigung Qindie, die für qualitativ hochwertige Independent-Literatur steht.

 

2. Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Bei mir gibt es Schreiben und Schreiben. Klingt komisch, ist aber durchaus ernst gemeint. (lach) Geschrieben habe ich, seitdem ich einen Stift halten konnte, allerdings keine Romane. Das waren Tagebücher, was ich bis heute mache, eine Karl May-Fanfiction, für die ich mit zwölf drei Schulhefte aneinanderklebte und so neunzig Seiten füllte, später habe ich für eine Tageszeitung geschrieben und beruflich Bücher redigiert und lektoriert. Das ist die eine Seite des Schreibens, die andere, die kreative Seite entwickelte sich aus dem Geschichten Erzählen. Das habe ich schon immer getan, na ja, zumindest seitdem ich klare Sätze formulieren und meine Geschwister nachts im Bett bestens unterhalten konnte. Sehr zum Leidwesen meiner Eltern, weil es nie ruhig wurde im Kinderzimmer … (hihi) Dieses innere Geschichten Erzählen begleitet mich bis heute. Es war für mich eine Möglichkeit, der Realität zu entfliehen, wenn diese gerade wieder mal unerträglich wurde, das ist mir aber erst mit über Dreißig bewusst geworden. An dem Punkt habe ich dann auch beschlossen, meine Geschichten in Bücher zu gießen, statt verrückt zu werden. Denn die Gefahr bestand durchaus. Ich meine, wenn man den größten Teil des Tages nur noch in der Welt seiner Fantasiefiguren lebt, verliert man irgendwann den Bezug zum Alltag. ^^ Schließlich hatte ich eine Familie und einen verantwortungsvollen Job. Ich musste mich entscheiden – und das habe ich getan. Zum Glück – puh!

 

3. Wie und wo sind Dir die Ideen zu deinen Büchern gekommen?

Die Ideen zu meinen Geschichten sind Eingebungen, die von außen zu mir kommen. Sei es durch einen Zeitungsartikel, einen TV-Beitrag oder einen Menschen, den ich kennenlerne. Ich höre oder erlebe etwas und plötzlich tauchen Figuren und Bilder auf, die erzählt werden wollen. Bisher waren sie immer so machtvoll, dass ich sie wie süchtig niederschrieb und dann in die virtuelle Schublade verbannte, weil sie ruhen und reifen mussten. Dieser Reifeprozess dauert bei mir mehrere Jahre, was ein Hinweis darauf ist, dass in meiner Schublade einige Geschichten in verschiedenen Stadien schlummern. Erst mit dem nötigen Abstand kann ich dann aus einem Schmachtfetzen einen vernünftigen Roman werden lassen, der radikal gekürzt und überarbeitet wird, bis nichts mehr – oder möglichst wenig – an meine Seelennähe zu der Geschichte erinnert.

 

4. Wo schreibst Du am liebsten? Und hast Du ein bestimmtes Ritual dabei?

Am liebsten schreibe ich „in Ruhe“, wenn ich keine Termine habe und niemand zu Hause ist. Da das oft nicht möglich ist, ziehe ich mich an meinen Arbeitsplatz zurück und verschaffe mir die notwendige Ruhe durch Musik auf meinen Ohren, sprich einen Kopfhörer, der mich beschallt, damit ich von der Außenwelt nichts mitbekomme. Und wenn selbst das nicht ausreicht, schnappe ich mir mein Notebook und schreibe, wo ich die nötige Ruhe finde, wenn es sein muss im Café oder im Park.
Ein Ritual, muss ich gestehen, gibt es nicht. Vielleicht weil ich es mir zeitlich nicht leisten kann. Die Schreibzeiten knapse ich mir nämlich vom normalen Familienalltag ab, d.h. sobald mein Kind in der Schule ist, stürze ich an den Schreibtisch. Und wenn um kurz nach eins die Schulglocke läutet, endet auch meine Arbeitsphase. Jede zusätzliche Minute ist ein Luxus, für den ich dankbar bin.

 

5. Wenn Dein Buch „Wunschträume“ verfilmt werden würden, welche Schauspieler würdest Du am liebsten für welche Rolle casten? :D

Das ist die für mich schwierigste Frage, und ich finde auch keine wirkliche Antwort darauf. Ich habe meine Figuren nie mit irgendwelchen Schauspielern assoziiert. Es sind eigene Figuren mit spezifischen Gesichtern. Wenn eines meiner Bücher verfilmt würde, würde ich lediglich das Drehbuch sehen wollen, um sicherzustellen, dass meine Botschaft richtig transportiert wird. Alles andere läge in der Hand der Filmcrew. Der Regisseur sollte am besten wissen, welcher Schauspieler dann zu dem von mir autorisierten Drehbuch passt. Okay, ich stelle gerade fest, das ist ja doch eine Antwort ^^

 

6. Welchen Rat gibst Du den „jungen“ Autoren mit auf den Weg?

Glaube an dich und dein Talent.
Freu dich über Lob aus der Familie, aber wisse, dass Eltern ihre Kinder – normalerweise – immer für begnadete Genies halten (und das ist gut so).
Nimm Lob und Kritik von außen ernst und suche nach dem Körnchen Wahrheit, das in der Regel immer darin steckt.
Lies viel, um zu erfahren, wie andere Autoren schreiben.
Studiere Bücher über das Autorenhandwerk. (Teure Seminare sind nicht unbedingt notwendig)
Schreibe, schreibe, schreibe, aber sei dir bewusst, dass Texte Zeit zum Reifen brauchen. Nicht jeder Text muss (sofort) veröffentlicht werden, selbst im Zeitalter des Self Publishings.
Sei bereit, mit jedem Text zu lernen und Neues auszuprobieren.
Und schließlich: tu es einfach, jeden Tag aufs Neue, selbst wenn es nur fünf Minuten sind.

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